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Inga Hehn

Inga Hehn. DRIFT

27/03/2020 - 23/05/2020

Inga Hehn. DRIFT

Die Linzer Künstlerin Inga Hehn zeigt rund 45 Zeichnungen, Lithografien und Marmorierungen in einer kraftvollen Oster-Festspiel-Ausstellung. Ihre Arbeiten bieten poetische Momente auf Papier. Hehn bedient sich grafischen Techniken, lässt aber auch dem Zufall wortwörtlich freien Lauf und schafft somit ihre eigene ‚weiche Geometrie‘.

Die erste große Einzelschau der in Linz geborenen Künstlerin gibt einen Überblick über ihr grafisches Schaffen. Klug und einfühlsam stellt sie ein Ausstellungskonzept zusammen, das abwechslungsreich, aber auch ästhetisch komponiert ist und Kunstinteressierten viel Raum zur Auseinandersetzung lässt: „Meine Arbeiten sind teils stark reduziert, die Betrachter können aber immer mit ihnen in Dialog treten. Punkte und Linien sind die Basis meiner Werke, ich erschaffe dadurch einen meditativen Charakter für jede einzelne Arbeit.“

Am Liebsten arbeitet Hehn auf dem traditionelle Trägermaterial Papier. Zeichnungen werden auch auf Großformate ausgedehnt. Ihr Arbeiten weist immer einen experimentellen Charakter auf. Neben mikroskopisch kleinteiligen Tuschezeichnungen beschäftigt sie sich technisch auch mit der jahrhundertealten Handwerkskunst des Papier-Marmorierens. Erste Erwähnungen der Marmorierkunst stammen ursprünglich aus dem 10. Jahrhundert aus China und wurden später exklusiv für das Japanische Kaiserhaus hergestellt. In Europa dienten die von Hand gefärbten Papiere ab dem 17. Jahrhundert als Einband für Bücher.

Hehn nutzt diese Technik um sie in ihr zeitgenössisches künstlerisches Arbeiten zu übersetzen. Ihre marmorierten Werke sind aufwändig, so kocht sie für eines der am größten dimensionierten Kunstwerke an die 20 Liter gallertartige Masse aus Algen. Hochkonzentriert beschäftigt sie sich danach mit dem Zeichnen auf der flüssigen Oberfläche. Das Zusammenspiel des Zeitfaktors, der Temperatur und des Zeichnens sind deutlich spür- und nachvollziehbar auf den einnehmenden Arbeiten aus der titelgebenden Serie Drift. Die Gebilde und Formen auf den Marmorierungen eröffnen eigene Mikrokosmos, in die Betrachter_innen eintauchen können. Sie erinnern an anthropomorphe Strukturen. Durch Inga Hehns Annäherung an die Gegenständlichkeit sind ihre Arbeiten immer höchst spannungsgeladen.

Ein zentrales Motiv in der Salzburger Ausstellung ist die großformatige und modifizierbare Lithografie-Collage in 30 Teilen, die zu einer raumgreifenden Komposition zusammengesetzt wurde. Die Gestaltung einer komplett schwarzen Fläche ist die Absage an die Kunst. Im Fall von Inga Hehn trügt dies, da es zu einer Meisterleistung gehört in der Lithografie eine homogene schwarze Fläche zu drucken. Kleinste Fehler sowie Unebenheiten der Druckplatte bilden sich sofort ab. Hehn beherrscht die Lithografie und die Gestaltung der reinen schwarzen Fläche. Durch das Mittel der Collage wird das übliche druckgrafische Format gesprengt und der Raum installativ gestaltet.

Ein weiterer Werkkomplex der Ausstellung stammt aus der Serie Minidramen. Auf den mittel- und großformatigen Papieren entstehen Linien durch das Auflegen von Kartonelementen, die wie eine Schablone verwendet werden. Durch die leichten Berührungen der Tuschefeder am Schablonenrand werden winzige Farbspritzer und -partikel auf das Papier katapultiert. Die einzelnen Arbeiten erinnern an Sonnenräder und Rautenmuster. Über die Wirkung des Werkkomplexes sagt Inga Hehn: „Ich bin interessiert an der Wirkung von Wiederholung. Minimale Abweichungen und Verschiebungen erzeugen eine Spannung. Es entsteht eine ‚weiche Geometrie‘, die sich langsam verschiebt und einen eigenen Rhythmus findet.“

Hehn studierte an der Linzer Kunstuniversität mit den Schwerpunkten Malerei und Grafik bei der renommierten, in Salzburg geborenen, Künstlerin und Universitätsprofessorin Ursula Hübner. Seit 2019 ist sie selbst Lehrende an der Kunstuniversität in Linz und bildet Studierende aus.

Martina Pohn, März 2020