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Revisit! Prints, Multiples and Drawings

12/08/2021 - 02/10/2021

Revisit! Prints, Multiples and Drawings

Ausstellung mit Werken von Keith Haring, Alex Katz, Roy Lichtenstein, Heiner Meyer, Julian Opie, Mel Ramos, Andy Warhol und Tom Wesselmann

Unter dem Titel REVISIT. PRINTS, MULTIPLES & DRAWINGS vereint die Galerie HAAS & GSCHWANDTNER in Salzburg im diesjährigen Festspielsommer 2021 mehr als zehn herausragende Siebdrucke Andy Warhols sowie 12 weitere Werke, u.a. von namhaften Vertretern der Pop-Art, wie Roy Lichtenstein oder dem Mitbegründer Tom Wesselmann und zeitgenössischen Größen, wie Alex Katz oder Julian Opie, die sich ebenso auf die Kunstrichtung beziehen.

Einem breiten Publikum ist Andy Warhol vor allem wegen seiner Porträts berühmter Zeitgenossen bekannt. In der Salzburger Schau stechen u.a. zwei Siebdrucke hervor: Queen Elizabeth II (1985) und Mick Jagger (1975).
1985 fertigte Warhol das Portfolio Reining Queens. Für das Porträt von Elizabeth II. verwendete er ein Foto, des Fotografen Peter Grugeon (1918-80), das anlässlich des Silbernen Thronjubiläums der Queen veröffentlicht wurde. Das Porträt mit Diamantenstaub ist mit einer Auflage von nur 30 Exemplaren äußerst selten am Markt zu finden. Es ist eines der hochpreisigsten Einzelblätter im Bereich der Druckgrafik von Andy Warhol. Zwei Sets der Reining Queens sind im Besitz des Royal Collection Trusts des Britischen Königshauses.

Außergewöhnliches ist auch das Porträt von Mick Jagger (1975). Der Frontmann der britischen Rockgruppe The Rolling Stones hat hier persönlich unterschrieben. Warhol verwendete insgesamt zehn verschiedene Porträtfotos von Jagger, um unterschiedliche Blickwinkel und Perspektiven darzustellen. Beide Künstler prägten für sich verschiedenste Szenen New Yorks in der damaligen Zeit und Jagger war Stammgast in der Factory. Warhol schaffte es den Zeitgeist der 1970er Jahre in dem Porträt des Rockstars einzufangen und erwirkte somit Seltenheitswert für dieses Werk.

Der zeitgenössische britische Künstler Julian Opie ist bekannt für seinen Stil, Elemente aus der Pop Art, der Grafik und des Minimalismus in seine sehr eigene künstlerische Sprache zu transformieren. Die Skulpturengruppe Running People (2020) zeigt Umrisse von Figuren, dargestellt durch dicke und bunte Linien. Opies Figuren eilen bildlich gesprochen durch die Straßen, es sind Geschäftsleute, Jogger_innen oder Menschen die zu ihren Verabredungen eilen. Sie stellen dicht aneinandergedrängte Menschenmassen dar, die im vergangenen Jahr gänzlich aus unserer alltäglichen Wahrnehmung verschwunden sind. Opie reduziert Gesichtszüge und Körper auf Umrisse, niemals aber gehen die charakteristischen Eigenarten der Dargestellten verloren. Seine neueste Serie von Skulpturen beschreibt er selbst: „Eine sich bewegende Figur suggeriert Lebendigkeit und Kraft. Die dargestellte Person posiert nicht für den Betrachter, sie nimmt ihn gar nicht wahr. Im Profil ist der schreitende menschliche Körper dynamisch und man kann spüren, wie der eigene Körper reagiert.“

Die cholorierten Holzschnitte Ariel 4 und Ariel 5 (beide 2021) zeigen ein Frauengesicht. In verschiedenen Orangetönen, frontal dargestellt, zu einem Drittel beschnitten und mit stark reduzierten Gesichtszügen stellt es Ariel Veith, Model und Muse des international bekannten Kunststars Alex Katz dar. Scharfe Linien und satte Farben zeichnen die Serie aus. Katz wurde an der Cooper Union in Manhattan, NY, USA, einem renommierten Kunst-College ausgebildet und entwickelte im Laufe seiner Karriere eine stark stilisierte Ästhetik, die auf Kunstrichtungen wie die Pop-Art, aber auch den Abstrakten Realismus reagieren. Auch er gilt als Wegbereiter der Pop-Art in den USA.

Der US-amerikanische Künstler Tom Wesselmann (* 1931, Cincinatti, Ohio, USA – † 2004, New York, USA) gilt als Mitbegründer der Pop-Art. Mit seinen Aktdarstellungen zu Beginn der 1960er Jahre erlangte, der an der Cooper Union (in Manhattan, New York) ausgebildete Maler und zuvor diplomierte Psychologe, ersten Ruhm. Seine Arbeiten greifen die visuelle Sprache der amerikanischen Werbung auf. Collagen, dreidimensionale Scherenschnitte, Radierungen sowie Skulpturen bilden sein Oeuvre. In späteren Jahren stellte er oftmals einzelne herausgegriffene Körperteile, wie weibliche Lippen Zigaretten rauchend, dar und betonte in vielen Interviews, dass er ausschließlich selbstbewusste, ihrem Körper positiv eingestellte Frauen zeigt. In seinem Schaffen war es ihm immer wichtig die sexuelle Revolution der 1960er Jahre und das Female Empowerment zu unterstützen.

Arbeiten von Roy Lichtenstein als einer der bekanntesten Vertreter der Pop-Art sind ebenfalls Teil der Ausstellung. Lichtensteins Shipboard Girl stammt aus dem Jahr 1964 und war eines seiner ersten druckgrafischen Werke, die er realisierte, viele weitere sollten folgen. Shipboard Girl bleibt für sein Schaffen beispielhaft: in seiner eigenen und unverwechselbaren Bildsprache übernimmt er die in Comics verwendeten Rasterpunkte, schwarze Umrisse, kräftige Farben und makellose Gesichter.

Ein weiteres Highlight der Schau ist das komplette Set Pop Shop I von Keith Haring aus dem Jahr 1987. Alle vier Blätter sind an der Frontseite signiert und nummeriert. Die Besonderheit ist die Unversehrtheit der einzelnen Blätter, die mit Sicherheit nicht in Harings Pop Shop in New York direkt an die Wand gepinnt präsentiert wurden. Hinter der kräftigen Farbgebung und den einfachen Strukturen der piktogramm-artigen Figuren stehen starke Symboliken und gesellschaftskritische Kommentare.

Über Mel Ramos schreibt die in London lebende Kunsthistorikerin Alexandra Steinacker: „Mel Ramos Arbeit Hunt for the Best (Gold) (2013) zeigt eine nackte Frau, die sich verführerisch um eine überdimensional vergrößerte Gewürzflasche, im unverkennbaren Pop-Art-Stil des Künstlers, windet – in der Tat ein Blickfang!“ Zusätzlich werden die Skulptur Heidi Heinz (2008), die dreidimensionale und reliefartige Lightbox Martini Miss #1 (2013) und ein seltenes Ölgemälde (Tucher Tess, 2013) gezeigt.

An der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und als Assistent des Surrealisten Salvador Dalí ausgebildet, beherrscht Heiner Meyer sein Handwerk, demonstriert uns in jedem einzelnen Gemälde, den gekonnten Umgang mit lokaler und tonaler Farbe, dem Pinselduktus und den Lichteffekten. Mit viel Ironie und Gesellschaftskritik widmet er sich ebenso der Frage der Ikonisierung von Personen des öffentlichen Lebens und Luxusgütern. Penélope Cruz, ein Porsche 911 oder High Heels zeigt Meyer in seinen hyperrealistisch-surrealistischen Bildwelten und stellt somit den immensen Einfluss der Werbeindustrie auf unser kollektives Bildgedächtnis und Konsumverhalten in Frage.

In einer Zeit, in der Galeriebesuche aufgrund der behördlichen Betretungsverbote nicht möglich waren, entstand das Konzept der diesjährigen Festspiel-Ausstellung REVISIT. REVISIT steht für die wieder aufkommende Freude am Reisen, der Freiheit Kunst wieder uneingeschränkt genießen zu können. Christian Gschwandtner und Christoph Haas verstehen die Ausstellung als Einladung an das kunstbegeisterte Publikum und alle Freund_innen der Galerie und möchten die Möglichkeit bieten, ausgewählte Werke aus dem Bereich des Kunsthandels, als Teil des Galerienprogrammes, hautnah zu erleben.

Christian Gschwandtner & Martina Pohn, Juli 2021